Ein Girokontowechsel scheitert selten an der neuen IBAN. Die eigentliche Arbeit steckt in laufenden Lastschriften, Daueraufträgen, Gehaltseingängen und Zahlungen, die nur einmal im Jahr auftauchen. Mit einer kurzen Übergangsphase und einer vollständigen Liste lässt sich das Risiko für Rücklastschriften deutlich senken. Die gesetzliche Kontenwechselhilfe kann viele Schritte unterstützen, ersetzt aber nicht deinen eigenen Schlusscheck.
Das Wichtigste in Kürze
- Vergleiche nicht nur die Grundgebühr, sondern Karten, Bargeld, Dispo, Service und Bedingungen.
- Führe altes und neues Konto vorübergehend parallel und halte auf dem alten Konto einen Puffer.
- Nutze Kontoauszüge eines ganzen Jahres, damit seltene Lastschriften nicht fehlen.
- Informiere Arbeitgeber, Behörden und wichtige Vertragspartner aktiv über die neue IBAN.
- Kündige das alte Konto erst, wenn alle Buchungen umgestellt und offene Erstattungen eingegangen sind.
Vor dem Wechsel: Passt das neue Konto wirklich?
Ein kostenlos beworbenes Konto kann Bedingungen haben, etwa einen monatlichen Geldeingang oder ein bestimmtes Alter. Prüfe das Preis- und Leistungsverzeichnis sowie die Vertragsinformationen. Relevant sind Kontoführung, Kartenpreise, Bargeldabhebungen, Echtzeitüberweisungen, Fremdwährungsentgelte, Verwahrentgelte, Dispozins und Kosten für Papierauszüge oder beleghafte Aufträge.
Überlege außerdem, wie du das Konto tatsächlich nutzt. Wer häufig Bargeld einzahlt, braucht andere Leistungen als jemand, der ausschließlich digital zahlt. Achte auf Erreichbarkeit bei einer Kartensperre, auf das Freigabeverfahren im Online-Banking und darauf, ob Gemeinschaftskonto, Unterkonten oder Vollmachten möglich sind. Für einen systematischen Vergleich hilft der Beitrag Kontogebühren vollständig vergleichen. Die BaFin stellt zudem einen offiziellen Vergleich für Basis- und Girokonten bereit.
Die Kontenwechselhilfe richtig einordnen
Nach dem Zahlungskontengesetz können Verbraucherinnen und Verbraucher bei einem Kontowechsel Unterstützung der beteiligten Zahlungsdienstleister verlangen. Die Banken tauschen auf Grundlage deiner Ermächtigung Informationen aus und unterstützen unter anderem bei wiederkehrenden Zahlungseingängen, Lastschriften und Daueraufträgen. Daneben bieten Institute teilweise eigene digitale Wechselservices an.
Kontrolliere trotzdem jede übernommene Position. Ein Dienst erkennt möglicherweise eine seltene Jahreslastschrift nicht im gewählten Betrachtungszeitraum. Zahlungen über Kreditkarte, Bezahldienste oder manuell gespeicherte Bankverbindungen können außerhalb des eigentlichen Girokontos liegen. Die BaFin weist deshalb darauf hin, dass du weiterhin sicherstellen musst, dass Verpflichtungen erfüllt werden und eingehende Zahlungen dich erreichen.
Erstelle deine persönliche Wechsel-Liste
Gehe Kontoauszüge der letzten zwölf bis dreizehn Monate durch. Markiere jede wiederkehrende Buchung und ordne sie einer dieser Gruppen zu:
- Zahlungseingänge: Gehalt, Rente, Kindergeld, Unterhalt, Erstattungen.
- Lastschriften: Energie, Telekommunikation, Versicherungen, Vereine, Abos.
- Daueraufträge: Miete, Sparrate, Unterhalt, regelmäßige Überweisungen.
- Verknüpfte Dienste: Kreditkarten, Zahlungsdienste, Shops und Depot-Verrechnungskonten.
- Seltene Vorgänge: Steuererstattungen, Nebenkosten, Kautionen oder Reiseerstattungen.
Notiere neben jeder Position, wer die Änderung vornimmt, wann sie bestätigt wurde und ab welchem Termin die neue Verbindung gilt. Bei besonders wichtigen Zahlungsempfängern solltest du die Änderung selbst im Kundenkonto prüfen oder schriftlich bestätigen lassen.
Ein sinnvoller Zeitplan
1. Neues Konto vollständig einrichten
Aktiviere Online-Banking, Freigabeverfahren und Karte. Teste eine kleine Überweisung und prüfe, ob Benachrichtigungen sowie Limits passen. Richte den sicheren Zugang zum Online-Banking auf deinen Geräten ein, bevor größere Beträge übertragen werden.
2. Wichtige Eingänge zuerst umstellen
Informiere Arbeitgeber oder Leistungsträger frühzeitig. Beachte deren Abrechnungsläufe. Eine Änderung kurz vor der Gehaltszahlung kann erst im Folgemonat wirksam werden. Lass deshalb auf beiden Konten ausreichend Geld, bis der erste wichtige Eingang tatsächlich auf dem neuen Konto angekommen ist.
3. Daueraufträge neu anlegen
Übernimm Betrag, Empfänger, Verwendungszweck und Ausführungstag sorgfältig. Lösche den alten Auftrag erst, wenn du sicher bist, dass keine Doppelzahlung entsteht. Besonders bei Miete oder Unterhalt ist eine nachvollziehbare Umstellung wichtiger als Geschwindigkeit.
4. Lastschriftgläubiger informieren
Viele Unternehmen bieten eine Änderung im Kundenportal an. Speichere die Bestätigung oder fertige einen Screenshot ohne unnötige Kontodaten an. Beobachte die erste Abbuchung. Wird weiterhin das alte Konto belastet, kläre die Ursache, bevor dort der Puffer aufgebraucht ist.
5. Geld und Rücklagen übertragen
Überweise nicht sofort den gesamten Saldo. Auf dem alten Konto können noch Kartenzahlungen, Lastschriften oder Gebühren nachlaufen. Halte einen Sicherheitsbetrag bereit, dessen Höhe sich nach deinen offenen Buchungen richtet. Ein bewusst geplanter Kontopuffer schützt vor unnötigen Rücklastschriften.
Wie lange beide Konten parallel bleiben sollten
Eine allgemeine Pflichtdauer gibt es für deine Planung nicht. Praktisch sollte die Phase mindestens so lange dauern, bis ein vollständiger normaler Zahlungszyklus über das neue Konto gelaufen ist. Bei jährlichen Abbuchungen kann die schriftliche Umstellungsbestätigung wichtiger sein als monatelanges Warten.
Prüfe das alte Konto regelmäßig auf neue Buchungen und Nachrichten. Berücksichtige auch ausstehende Rückzahlungen, Kautionen oder Reklamationen. Wenn die bisherige IBAN als Erstattungskonto bei einem Händler hinterlegt ist, kann eine voreilige Schließung Rückfragen verursachen.
Das alte Konto richtig beenden
Vor der Kündigung sollten keine vorgemerkten Umsätze, offenen Kartenabrechnungen oder ungeklärten Gebühren mehr bestehen. Lade benötigte Kontoauszüge und Dokumente aus dem Postfach herunter. Banken stellen Unterlagen online nicht zwingend unbegrenzt bereit. Sichere auch Nachweise für steuerliche oder vertragliche Zwecke.
Widerrufe nicht mehr benötigte Vollmachten und gib Karten nach den Vorgaben der Bank zurück oder vernichte sie sicher. Teile der Bank das Zielkonto für den Restsaldo mit. Bewahre die Kündigungsbestätigung auf und prüfe, ob das Konto tatsächlich geschlossen wurde.
Typische Fehler beim Kontowechsel
Nur die letzten drei Monate werden geprüft: Jahresbeiträge, Rundfunkbeitrag oder seltene Spenden können fehlen.
Das alte Konto wird sofort leergeräumt: Eine nachlaufende Lastschrift verursacht dann Gebühren oder eine Mahnung.
Gespeicherte Karten bleiben unbeachtet: Bezahldienste und Händler nutzen teilweise eine Karte statt der IBAN. Aktualisiere beides getrennt.
Dokumente bleiben im alten Online-Postfach: Nach der Schließung kann der Zugang enden. Sichere vorher alles Benötigte.
Kontowechsel-Checkliste
- Preis- und Leistungsverzeichnis des neuen Kontos prüfen.
- Neues Konto, Karte und Freigabeverfahren vollständig aktivieren.
- Kontoauszüge eines ganzen Jahres auswerten.
- Gehalt und andere wichtige Eingänge umstellen.
- Daueraufträge einzeln übertragen und kontrollieren.
- Lastschriftgläubiger sowie verknüpfte Dienste informieren.
- Altes Konto mit ausreichendem Puffer parallel führen.
- Erste Buchungen auf dem neuen Konto prüfen.
- Dokumente aus dem alten Postfach sichern.
- Altes Konto erst danach schriftlich schließen.
Häufige Fragen zum Girokontowechsel
Muss meine neue Bank den Wechsel unterstützen?
Für Zahlungskonten besteht unter den gesetzlichen Voraussetzungen eine Kontenwechselhilfe. Du erteilst dafür eine Ermächtigung und legst den gewünschten Umfang fest. Prüfe die Informationen deiner neuen Bank und kontrolliere das Ergebnis selbst.
Kann ich meine alte IBAN behalten?
Bei einem Wechsel zu einem anderen Institut erhältst du in der Regel eine neue IBAN. Bankinterne Produktwechsel können anders ablaufen. Verlasse dich erst auf eine Aussage, wenn sie dir das Institut für deinen konkreten Fall bestätigt hat.
Was passiert mit einem bestehenden Dispo?
Ein Dispositionskredit geht nicht automatisch auf die neue Bank über. Ein negativer Saldo muss vor der Schließung ausgeglichen oder gesondert geregelt werden. Das neue Institut entscheidet eigenständig über einen Kreditrahmen.
Was tun, wenn eine Lastschrift noch vom alten Konto abgeht?
Lass den notwendigen Betrag zunächst verfügbar und informiere den Zahlungsempfänger erneut. Prüfe, ob die Änderung rechtzeitig vor dessen Abrechnungslauf eingegangen ist. Eine berechtigte Forderung verschwindet nicht dadurch, dass du die Lastschrift zurückgibst.
Den ersten Monat nach der Schließung beobachten
Auch nach bestätigter Kontoschließung können Erstattungen oder verspätete Abbuchungsversuche auftauchen. Prüfe E-Mails und Briefe alter Vertragspartner und kontrolliere, ob eine Rückzahlung versehentlich auf die frühere IBAN angewiesen wurde. Teile die neue Bankverbindung nur über verifizierte Wege mit.
Bewahre letzte Kontoauszüge, Schließungsbestätigung und Umstellungslisten nach deinem Aufbewahrungsbedarf sicher auf. So kannst du später nachweisen, wann ein Auftrag geändert oder das Konto beendet wurde.
Fazit: Erst umstellen, dann schließen
Richte das neue Konto vollständig ein, erfasse alle wiederkehrenden Zahlungen und beobachte beide Konten in einer Übergangsphase. Die Kontenwechselhilfe nimmt dir organisatorische Schritte ab, der persönliche Abgleich bleibt trotzdem wichtig. Wenn Gehalt, Lastschriften, Daueraufträge, Karten und Erstattungen sauber umgestellt sind, kannst du das alte Konto mit deutlich weniger Risiko beenden.




