Ein ETF oder zwei ETFs: Welche Struktur passt besser?

Redaktionelles Beitragsbild zum Thema Ein ETF oder zwei ETFs

Ein einzelner globaler ETF kann bereits sehr viele Unternehmen enthalten. Ein zweiter Fonds kann eine echte Lücke schließen – oder nur dieselben Positionen noch einmal kaufen. Die richtige Zahl ergibt sich deshalb nicht aus einer allgemeinen Faustregel. Sie hängt davon ab, ob ein zusätzlicher Baustein eine klar definierte Aufgabe übernimmt und ob die nötige Pflege zur eigenen Anlageroutine passt.

Was eine Ein-ETF-Lösung kann

Ein ETF auf einen breiten Index mit Industrie- und Schwellenländern kann Tausende oder zumindest sehr viele große und mittlere Unternehmen bündeln. Länder und Firmen werden nach den Indexregeln automatisch angepasst. Steigt der Börsenwert eines Marktes, nimmt sein Gewicht zu; fällt er, sinkt es. Der Anleger muss zwischen Regionen nicht selbst umschichten.

Der größte Vorteil ist Übersicht. Es gibt nur eine Anteilklasse, eine Sparplanausführung und keine interne Zielquote zwischen mehreren Aktienfonds. Das reduziert die Gefahr, aufgrund kurzfristiger Nachrichten einzelne Regionen zu erhöhen oder zu streichen. Einfachheit ist dabei keine Notlösung, sondern eine Eigenschaft, die das Durchhalten erleichtern kann.

Eine Ein-ETF-Lösung ist dennoch nicht gleichbedeutend mit gleichmäßiger Verteilung. Marktwertgewichtete Weltindizes können stark von den USA, großen Technologiekonzernen und wenigen Top-Positionen geprägt sein. Wer diese Struktur akzeptiert, folgt dem globalen börsennotierten Markt. Wer davon abweichen möchte, trifft eine aktive Zusatzentscheidung.

Wann ein zweiter ETF eine echte Funktion hat

Ein zweiter ETF kann sinnvoll sein, wenn der Kernindex einen gewünschten Bereich nicht enthält. Beispiele sind kleinere Unternehmen oder Schwellenländer bei einem reinen Industrieländerindex. Auch eine bewusst höhere Europa- oder Anleihenquote kann als eigener Baustein umgesetzt werden. In jedem Fall sollte die Funktion in einem Satz stehen: „Der zweite ETF ergänzt globale Small Caps mit zehn Prozent des Aktienanteils“ ist überprüfbar.

Weniger überzeugend ist „Der zweite ETF hat zuletzt gut performt“ oder „Zwei Fonds streuen besser als einer“. Die Zahl der Produkte sagt nichts über die wirtschaftliche Streuung. Ein Welt-ETF und ein US-ETF halten viele identische Unternehmen. Der zweite Fonds übergewichtet dann die USA, statt ein neues Risiko hinzuzufügen.

Die häufigsten Zwei-ETF-Strukturen

Eine verbreitete Kombination trennt entwickelte Märkte und Schwellenländer. Sie erlaubt eine eigene Emerging-Markets-Quote, verlangt aber eine dauerhafte Begründung. Wer einen marktnahen Anteil möchte und nicht selbst umschichten will, kann stattdessen einen All-World-Index wählen. Der Vergleich MSCI World und FTSE All-World zeigt die Unterschiede.

Eine zweite Variante ergänzt einen globalen Large-/Mid-Cap-ETF um Small Caps. Sie verbreitert die Abdeckung nach Unternehmensgröße, kann aber höhere Schwankungen und Kosten mitbringen. Vor dem Kauf ist zu prüfen, ob der Kernindex kleine Unternehmen bereits enthält. Der Beitrag Small-Cap-ETF als Ergänzung erläutert die Abgrenzung.

Eine dritte Variante kombiniert Aktien und Anleihen. Hier erfüllen beide ETFs grundlegend verschiedene Aufgaben. Die Zielquote bestimmt das Gesamtrisiko, während Laufzeit, Bonität und Währung des Anleihefonds über seine Stabilisierungswirkung entscheiden. Das ist keine bloße Erweiterung innerhalb des Aktienanteils, sondern die strategische Vermögensaufteilung.

Überschneidungen berechnen

Für eine grobe Prüfung werden die größten Positionen, Länder und Branchen beider Fonds verglichen. Dann wird jedes Einzelgewicht mit dem Anteil des Fonds am Gesamtdepot multipliziert. Liegt ein Unternehmen im Kernfonds bei fünf Prozent und der Kernfonds macht 80 Prozent des Aktienportfolios aus, trägt es vier Prozent bei. Hat dasselbe Unternehmen im Zusatzfonds zwölf Prozent Gewicht und dieser Fonds 20 Prozent Anteil, kommen 2,4 Prozent hinzu. Insgesamt sind es 6,4 Prozent.

Diese Rechnung zeigt, warum ein Technologie-ETF neben einem Welt-ETF die größten Technologiewerte stark erhöhen kann. Die Positionen sind nicht neu, sie werden nur schwerer gewichtet. Das kann eine bewusste Wette sein, sollte aber nicht als neutrale Diversifikation bezeichnet werden. Der Ratgeber Klumpenrisiko im Welt-ETF enthält weitere Prüfgrößen.

Kosten und Sparraten praktisch einordnen

Zwei ETFs bedeuten potenziell zwei Sparpläne, zwei Spreads und später zwei Verkaufsaufträge. Bei kostenlosen Sparplänen wirkt das zunächst unbedeutend, doch Aktionsbedingungen können sich ändern. Bei festen Gebühren belasten zwei kleine Ausführungen stärker als eine große. Auch Rebalancing-Verkäufe können Steuern auslösen.

Bei einer Monatsrate von 100 Euro führt eine 80/20-Aufteilung zu 80 und 20 Euro. Manche Broker erlauben so kleine Raten, andere nicht. Feste Gebühren würden den 20-Euro-Baustein besonders stark treffen. Eine mögliche Lösung sind wechselnde oder quartalsweise Käufe, doch damit steigt die organisatorische Arbeit. Die Struktur muss deshalb auch zur realen Sparrate passen.

Rebalancing ohne Aktionismus

Bei zwei Fonds braucht es eine Regel. Ein jährlicher Termin ist einfach. Alternativ wird erst bei einer bestimmten Abweichung gehandelt, beispielsweise fünf Prozentpunkte von der Zielquote. Kleine Bewegungen bleiben unbeachtet. Neue Beiträge, Ausschüttungen oder zusätzliches Kapital fließen bevorzugt in den untergewichteten Baustein.

Der Beitrag Rebalancing mit der Sparrate zeigt, wie ein Ausgleich ohne Verkauf funktioniert. Diese Methode eignet sich besonders in der Aufbauphase. Bei einem großen Depot und einer kleinen Rate kann sie zu langsam sein; dann ist ein gezielter Tausch möglich, nachdem Kosten und Steuerfolgen geprüft wurden.

Entscheidungshilfe: fünf klare Fragen

  1. Welche konkrete Lücke des ersten Index soll der zweite schließen?
  2. Wie lautet die Zielquote beider Fonds in Prozent und Euro?
  3. Welche Unternehmen, Länder oder Branchen werden doppelt gehalten?
  4. Sind Sparrate und Gebühren für zwei Ausführungen geeignet?
  5. Welche Rebalancing-Regel kann über viele Jahre eingehalten werden?

Kann die erste Frage nicht klar beantwortet werden, spricht viel für eine Ein-Fonds-Lösung. Gibt es dagegen eine echte Lücke und eine umsetzbare Zielquote, kann der zweite Baustein sinnvoll sein. Die Entscheidung wird nicht durch die Anzahl, sondern durch Funktion und Konsequenz gut.

Typische Fehler

Ein häufiger Fehler ist die Kombination zweier Welt-ETFs aus Angst, ein einzelner Anbieter könne nicht genügen. Die Fondsvermögen sind getrennte Investmentvermögen, und zwei sehr ähnliche Produkte schaffen vor allem Überschneidungen. Ein anderer Fehler ist die nachträgliche Erhöhung des besser gelaufenen Bausteins. Das kehrt Rebalancing um und kauft vergangene Gewinner teurer nach.

Ebenso problematisch ist eine zu feine Quote. 83/17 klingt präzise, lässt sich mit kleinen Raten aber kaum sinnvoll halten. Runde Zielwerte erleichtern Rechnung und Umsetzung. Das Portfolio muss kein mathematisches Optimum treffen, sondern eine belastbare Risikostruktur abbilden.

Schließlich werden Aktienbausteine manchmal isoliert vom Sicherheitsanteil betrachtet. Ob ein oder zwei Aktien-ETFs passend sind, sagt noch nichts über die richtige Aktienquote. Der übergeordnete Portfolioaufbau mit ETFs beginnt deshalb bei Gesamtvermögen und Verlusttragfähigkeit.

Häufige Fragen

Ist ein ETF zu wenig diversifiziert?

Ein einzelner ETF kann sehr breit gestreut sein, wenn sein Index viele Länder und Unternehmen umfasst. Entscheidend sind Indexabdeckung und Gewichtung, nicht die Zahl der Fonds. Ein enger Branchen-ETF wäre dagegen auch als einzige Position stark konzentriert.

Sind zwei verschiedene Anbieter sicherer?

Eine Anbieterstreuung kann operative Abhängigkeiten reduzieren, verändert aber nicht automatisch das Marktrisiko. Bei sehr ähnlichen ETFs entstehen dieselben wirtschaftlichen Positionen doppelt. Rechtsform, Verwahrstelle und Fondsunterlagen sind wichtiger als eine pauschale Zwei-Anbieter-Regel.

Wie oft muss ich zwei ETFs rebalancieren?

Ein jährlicher Termin oder eine feste Abweichungsgrenze reicht häufig. Zu häufiges Handeln erhöht Kosten und Aufmerksamkeit. In der Ansparphase kann die Sparrate bevorzugt in den untergewichteten Fonds fließen.

Kann ich später von zwei auf einen ETF wechseln?

Ja. Ein Verkauf kann jedoch Steuern und Handelskosten verursachen. Oft lässt sich zunächst nur der Sparplan umstellen und der alte Bestand behalten. Ob ein vollständiger Wechsel sinnvoll ist, hängt von Überschneidung, Depotgröße und dem tatsächlichen Vereinfachungsgewinn ab.

Fazit

Ein ETF kann genügen, wenn er die gewünschte Aktienwelt breit abbildet. Zwei ETFs sind dann sinnvoll, wenn der zweite eine echte Lücke schließt und mit einer klaren Zielquote verbunden ist. Wer Überschneidungen, Kosten und Rebalancing vor dem Kauf prüft, verhindert, dass zusätzliche Produkte nur scheinbar mehr Streuung schaffen. Die einfachste Struktur, die das eigene Ziel erfüllt, ist meist die robusteste.